Amazon FBA Teil 2: Ein paar Überlegungen zu Beginn – Startkapital, Voraussetzungen und Absicherungen schaffen

In der letzten Woche habe ich dir die Vorteile und Hintergründe des FBA-Konzepts schon etwas näher gebracht. Heute steigen wir im zweiten Teil noch tiefer in die Materie ein. Es geht um organisatorische und administrative Voraussetzungen, bevor wir dann endlich richtig starten können.

 

Der unbequemere Teil vorweg

Eigentlich tut es mir fast schon leid, dich nun mit diesen Themen zu konfrontieren. Andererseits sehe ich mich auch in der Pflicht zur Aufklärung. Ich weiß, wie schnell man sich in einer Vision verlieren kann und wie ungern man dabei von den Fakten geweckt wird. Hört man von Amazon und den Erfolgsgeschichten anderer mit dem FBA-Konzept, kann man sich schnell in Traumwelten verlieren. Ich habe dieses Geschäftsmodell selbst getestet und bin davon überzeugt, dass man mit einer gründlichen Recherche und Vorbereitung mit Amazon FBA in sehr kurzer Zeit ein relativ gutes Einkommen erwirtschaften kann. Dennoch ist, wie bei allem im Leben, immer auch ein gewisses Risiko dabei. Also überdenke deine Situation, bevor es losgeht. Ich schmeiße niemanden (ohne Schwimmflügel) ins kalte Wasser, daher werfen wir im aktuellen Teil einen Blick auf Administratorisches und Organisatorisches, ehe es an die Umsetzung in der Praxis geht.

 

Was ich dir für den Start mitgeben will

Das FBA-Business ist eine gewerbliche Tätigkeit und setzt somit auch die gleichen Pflichten und dieselbe unternehmerische Sorgfalt voraus, wie jeder andere Betrieb auch. Deshalb ist es wichtig, dass du zu Anfang einige Entscheidungen triffst oder zumindest schonmal ein Bewusstsein dafür entwickelst, was alles auf dich zukommt, wenn du richtig starten willst.

Um die Beispiele simpel zu halten unterstelle ich dir in dieser Beitragsserie einen Wohnsitz und die Steuerpflicht in Deutschland und gehe davon aus, dass du auf der deutschen Amazon-Plattform verkaufen willst. So sieht auch meine Situation aus und darauf beruhen meine Erfahrungen.

Trotz aller Sorgfalt kann ich aber keine Garantie auf 100%ige Richtigkeit der Angaben geben. Wenn du spezielle Fragen hast oder unsicher bist empfehle ich daher immer, dich an einen Experten (beispielsweise Fachanwalt oder Steuerberater) zu wenden. Solltest du andere Bedenken haben oder etwas loswerden wollen, kannst du mir gerne jederzeit eine Mail schreiben.

Legen wir los.

 

USA oder Deutschland?

Am Anfang steht die Wahl der Plattform. Willst du in den USA oder in Deutschland bzw. Europa verkaufen? Oder vielleicht sogar auf dem relativ frischen Marktplatz in Japan? Alle Plattformen haben ihre Eigenarten und Vor- und Nachteile, die du zu Beginn für dich abwägen solltest. Die Anzahl der Bewertungen, die du brauchst, um im Ranking zu steigen, ist unterschiedlich. Darüber hinaus natürlich die Sprache, das Handelsvolumen, die Versandgebühren von deiner Haustür zu den Amazon-Lagern und einiges mehr. Amazon Deutschland ist weltweit hinter den USA der zweitgrößte Marktplatz. Ich selbst habe mich für den deutschen Markt entschieden. Es spricht aber auch vieles für andere Plattformen. Einen guten Überblick bekommst du in diesem Interview mit Thomas Albiez auf Bastian Baramis Blog Officeflucht.

 

Startkapital

Um mit Amazon FBA zu starten benötigst du etwas Eigenkapital für erste Produkte, administrative Aufgaben und anderes. Wie viel das ist, lässt sich nicht genau sagen. Es hängt letztendlich davon ab, welches Produkt du in welcher Stückzahl abnimmst und welche Gewerbeform, Absicherung und beispielsweise Tools du sonst noch benötigst. Für den Start mit einem ersten Produkt inklusive Import, Versand und eigenem Logo, solltest du aber grob mit 1000 – 3000 Euro rechnen, um auch direkt einen Grundbestand an Waren zu haben. Um die Abläufe und den Prozess erst einmal kennen zu lernen und herauszufinden, ob der Verkauf von physischen Produkten überhaupt etwas für dich ist, geht es aber auch mit 500 Euro oder weniger. Mein erster Testlauf bestand zum Beispiel aus Waren im (Einkaufs-)Wert von knapp 150 Euro. Wie so ein Test aussehen kann, erkläre ich dir später noch in dieser Serie.

Aber für welche Methode du dich auch entscheidest: Investiere bitte nur so viel, wie du im Verlustfall verschmerzen kannst. Wenn du momentan dafür noch kein Geld hast, ist das okay. Nutze die Zeit, in der du etwas ansparst dafür, dich weiter in das Thema einzulesen.

 

Der Gewerbeschein

Wie bei (fast) allen unternehmerischen Tätigkeiten benötigst du auch für den Verkauf auf Amazon einen Gewerbeschein. Je nach dem, wo du lebst, kostet die Gewerbeanmeldung zwischen 15 und 60 Euro. Dafür füllst du einen Antrag beim Ordnungsamt oder online aus, beschreibst deine Tätigkeit in einigen Stichpunkten und kannst im besten Fall gleich vor Ort bezahlen und den Schein mitnehmen. Ich habe mein Gewerbe im Februar in Berlin angemeldet. Das ganze ging sehr unkompliziert und sogar online. Nach etwa 2 Wochen kam dann noch Post vom Finanzamt mit Fragen zur steuerlichen Erfassung. Alles sehr easy. Aber spätestens jetzt solltest du wissen, welche Rechtsform für dich in Frage kommt.

 

Die Rechtsform

Die gängigsten Rechtsformen für die Gründung eines FBA-Unternehmens sind der Einzelunternehmer bzw. die Gbr oder die UG (Unternehmergesellschaft) bzw. die GmbH. Es gibt natürlich hier auch wieder kein Nonplusultra. Alle Unternehmensformen haben Vor- und Nachteile. Letztendlich kommt es darauf an, welche Ziele du anstrebst und ob du alleine gründest oder im Team. Es lohnt sich in jedem Fall, die Möglichkeiten zu vergleichen und durchzurechnen. Wenn du alleine gründest und gerade deinen ersten Fuß in die Tür der Selbstständigkeit setzt, würde ich dir aus eigener Erfahrung empfehlen, erstmal als Einzelunternehmer zu starten. Wenn du dich dafür entscheidest, kannst du auch wahlweise von der Kleinunternehmerregelung und somit von Vereinfachungen im Umsatzsteuerrecht Gebrauch machen. Dadurch wirst du im Rahmen bestimmter Freibeträge von der Umsatzsteuer befreit und profitierst beispielsweise von einer vereinfachten Steuererklärung in Form einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Für oder gegen diese Regelung entscheidest du dich über den Fragebogen des Finanzamtes, der dir nach deiner Gewerbeanmeldung zugeschickt wird.

 

Steuern, Buchhaltung und andere Papierkriege

Wie schon kurz angesprochen, hast du als Unternehmer und Gewerbetreibender gewisse Pflichten. Dazu gehören die Steuererklärung und je nach Rechtsform auch die Pflicht zur doppelten Buchführung. Darüber hinaus ist es zwar kein Muss (im B2C-Bereich), dennoch eine gute Geste – und auf Wunsch oder gegenüber gewerblichen Käufern – auch Pflicht, seinen Amazon-Kunden eine Rechnung auszustellen. Das alles ist für viele Neu-Unternehmer eine abschreckende Vorstellung. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass man „hineinwächst“. Administrative Aufgaben gehören nicht nur dazu, sie helfen dir auch, den Überblick über dein Business zu behalten und Stück für Stück ein Gefühl für die Zahlen zu bekommen.

Es gibt heutzutage aber auch sehr gute Software und Online-Tools, die dir einen Großteil der Arbeit abnehmen und diese sogar automatisieren können. Ich werde selbst immer mehr zum Fan solcher Lösungen und gehe gerne auch nochmal genauer darauf ein! Dennoch kann es – vor allem bei Unsicherheit – auch hilfreich sein, sich einen Steuerberater zu suchen. Immer mehr sind mittlerweile auch online unterwegs und spezialisieren sich auf digitale Geschäftsmodelle. Mit weiter wachsendem Business kann dir ein Steuerberater sicher eine Menge Arbeit und Unsicherheit abnehmen, sodass der Kopf wieder freier fürs eigentliche Geschäft ist. Eine Investition also, die sich auszahlt.

Beachte für deine Steuererklärung (falls du sie selbst machst) auch immer die aktuellen Freibeträge und Umsatzgrenzen. Dies spielt vor allem für Nutzer der Kleinunternehmerregelung eine Rolle. Nach aktuellem Steuerrecht liegen für sie beispielsweise die Umsatzgrenzen im aktuellen Jahr bei 17.500 Euro, im kommenden bei 50.000 Euro. Eine Bilanzierung statt der einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung muss erst bei mehr als 500.000 Euro Umsatz bzw. 50.000 Euro Gewinn pro Jahr erfolgen. Ebenso muss eine Gewerbesteuererklärung erst bei mehr als 24.500 Euro Gewinn abgegeben werden. Es gibt aber auch diverse Ausnahmen. Informiere dich also auf jeden Fall selbst für deine konkrete Situation.

 

Absicherung

Vielleicht noch nicht für den Anfang, aber irgendwann dennoch wichtig sind Themen wie private Krankenversicherung, Betriebs- bzw. Produkthaftpflichtversicherung, Markenanmeldung usw.. Wer mit physischen Produkten handelt, muss einerseits Gefahren so gut wie ausschließen und andererseits gegen das Restrisiko abgesichert sein. Sicher kommt es bei den Risiken auch auf dein Produkt und deine Geschäftsform an, dennoch kann man es nie zu 100% ausschließen und zudem gibt es in Deutschland gefühlt mehr Regeln und Anforderungen an Waren und Unternehmer, als man in einer durchschnittlichen Vorbereitungszeit ausmachen kann. Mit wachsendem Unternehmen solltest du dir also Gedanken um diese Themen machen und alle offenen Fragen vorher klären.

 

Laufende Kosten

Dieser Posten liegt ganz in deinen eigenen Bedürfnissen und Vorlieben. Je nachdem, wie viel Arbeit man selbst zu Anfang übernimmt, sind die laufenden Kosten relativ gering. Zu Anfang entscheidest du dich für einen der beiden Typen des Amazon-Verkäuferkontos. Fällt deine Wahl auf die Pro-Version, werden monatlich knapp 40 Euro (netto) fällig. Dafür gibt es aber auch einige Vorteile gegenüber der kostenlosen Variante. Zum einen spart man sich die Verkaufsgebühr pro Artikel, die sonst bei 99 Cent pro Stück liegt (somit kann man sich ausrechnen ab wie vielen verkauften Einheiten dieser Tarif Sinn macht) und zum anderen bekommt man mehr Funktionen über das Seller Central zur Verfügung gestellt – etwa mehr Statistiken oder die Möglichkeit bezahlte Werbung für die eigenen Produkte zu schalten.

Eine weitere Investition, die schon relativ früh Sinn macht, ist eine Software für die Rechnungslegung und Belegerfassung. Es ist sicher nicht falsch, zu Beginn alle Bestellungen händisch zu erfassen – das spart Geld und gibt ein Gefühl für das neue Business. Allerdings kann diese Aufgabe schnell zum Zeitfresser werden. Es gibt viele gute Tools, die dir durch eine sogenannte Amazon-Schnittstelle das Leben leichter machen können. Einmal richtig eingestellt, werden so die Bestellungen deiner Kunden direkt in deiner Software erfasst und auf Wunsch wird auch automatisch eine Rechnung geschickt.

Mein Favorit dafür ist FastBill (Amazon-Schnittstelle gibt’s momentan aber nur für Beta-Tester). Weitere Tools sind z.B.:

 

Weitere Aufwendungen

Je nachdem, für welches Produkt du dich entscheidest und was du künftig vor hast, kommen weitere Kosten auf dich zu. Diese variieren meist sehr stark und sind teilweise auch optional. Dazu gehören etwa:

  • EAN Nummern („Barcodes“), nur offiziell erhältlich bei GS1 Germany. Kleinere Pakete gibt es oft auch auf Anfrage.
  • Markenanmeldung für Deutschland / Europa / weltweit
  • Marketingbudget, z.B.: für Abgabe von Warenproben gegen Produktbewertungen
  • Internetauftritt
  • Produktfotos
  • Verpackungsmaterial
  • Eigene Arbeitszeit

 

Kannst du dich mit deinen neuen Aufgaben anfreunden?

Es klingt im ersten Moment so, als brächte ein Unternehmen rund um Amazon eine Menge Arbeit und Kosten mit sich. Aber dazu möchte ich dir sagen: Die meisten dieser Punkte musst du auch als Unternehmer in anderen Bereichen beachten und außerdem wächst du mit deinen Aufgaben. Das klingt vielleicht noch befremdlich, aber die Verantwortung und das Anpacken der anfallenden Aufgaben bringt dich deinen Zielen näher und lässt dich mit dem Prozess wachsen. Deshalb finde ich diesen Wachstum auch am Besten, da er kontinuierlich und in kleinen bzw. überschaubaren Schritten passiert. Und ich will ehrlich zu dir sein: Wenn dich das alles bisher abgeschreckt hat, du eher das schnelle Geld suchst und keine Lust hast, zu lernen und (erst) mit der Zeit zu wachsen, dann ist dies nicht der richtige Weg, der richtige Blog und das richtige Businessmodell für dich.

Ich wollte diese Dinge bewusst gleich zu Beginn klären um dir nichts vorzumachen. Du hast nun also etwas Zeit zum Nachdenken, ob du dich der Herausforderung stellen willst. Und wenn du weitermachen willst, dann zeige ich dir im nächsten Teil, wie du ein passendes erstes Produkt für deinen Start findest.

 

Bis dahin – alles Gute!

Nina, www.co-monkey.de

 

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Nina

studiert, schreibt und arbeitet an neuen Ideen in Berlin. Mit ihren Texten möchte sie unkonventionelle Wege und Alternativen zeigen, um mehr Zufriedenheit in den privaten und beruflichen Alltag all jener zu bringen, die Lust auf Veränderungen haben.

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7 Antworten

  1. Adiceltic sagt:

    Hallo Nina,
    das ist wirklich eine interessante Artikelserie! Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht 🙂 Die Informationen helfen bestimmt vielen Leuten. Ich finde es toll, dass du auch näher auf das Thema Gewerbe und Steuern eingehst.

  2. Sarah sagt:

    Hallo Nina,

    toller Artikel! Du hast so recht, man kann so viele Fehler als Anfänger machen… ich glaube, ich habe kein Fettnäpfchen ausgelassen 🙁

    Vor einiger Zeit fand ich dann den Amazon FBA Kurs

    Durch den Kurs (24 h Videomaterial) konnte ich endlich das Tal der Tränen hinter mir lassen. Know-How ist eben der entscheidende Vorteil, auch auf diesem Gebiet.

    Weiter so mit deinem schönen Blog und viele Grüße!

    • Nina sagt:

      Hi Sarah,
      Danke für dein Feedback! Du hast Recht, ohne das nötige Fachwissen und die Motivation, sich dieses anzueignen wird man wahrscheinlich nicht weit kommen…
      Ich wünsche dir viel Erfolg auf deiner eigenen Reise! 🙂
      LG

  3. Hallo Nina,
    da ich gerade deinen Beitrag über Amazon FBA lese – hier als Ergänzung: Auch wir vom Rechnungsprogramm Debitoor bieten eine Schnittstelle zum Amazon Marktplatz – und auch zu Ebay: https://debitoor.de Die Integration erfolgt übrigens über unseren Partner billbee, den du ja schon angesprochen hast 🙂
    VG Andrea

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