Amazon FBA Teil 3: Was ein gutes Produkt ausmacht und wo wir es finden können

Die mentalen und organisatorischen Voraussetzungen haben wir in den letzten Teilen bereits geschaffen. In diesem dritten Teil geht es nun darum, ein passendes Produkt für deinen Start ins Amazon FBA Business zu finden und darum, welche Kriterien du hierbei beachten solltest.

 

Wir suchen nach einem Produkt, das wir jetzt und auch in Zukunft gerne verkaufen wollen. Es sollte Potential haben und sich in einer Nische bewegen, in der wir künftig ähnliche Produkte verkaufen können. Gut wäre es natürlich auch, wenn wir eine Chance hätten, längerfristige Erfolge zu feiern, indem wir die Bedürfnisse der Kunden erkennen und in weitere Richtungen ausbauen können.

Um ein passendes erstes Produkt zu finden, gibt es viele unterschiedliche Herangehensweisen. Welche für dich am effektivsten sind, wirst du durch Ausprobieren schnell herausfinden. Auf jeden Fall empfehlen möchte ich dir aber, dass du dir alle Produktideen immer irgendwo aufschreibst, damit du evtl. auch später noch darauf zurückgreifen kannst.

 

Anforderungen an das Produkt

Um ein gutes Produkt zu finden und den gewünschten Erfolg zu erzielen, gibt es ein paar Kriterien, an denen du dich orientieren solltest. Alle Punkte einzuhalten ist meist nur schwer möglich. Sieh es also eher als Orientierungshilfe. Mit der Zeit wirst du selbst ein Gespür dafür entwickeln, welche Produkte für deine Zwecke geeignet sind.

Gute Produkte:

  • sind klein und leicht: Dadurch halten wir Versand- und Lagerkosten so gering wie möglich. Unter einem Kilo oder besser noch 500 Gramm ist dabei ein guter Richtwert.
  • sind nicht zu teuer, aber auch nicht zu billig: Der Artikel sollte sich grob zwischen einem Verkaufspreis von 15 und 50 Euro befinden. Liegt der Preis darunter, sind nach Abzug der Gebühren die Margen meist zu klein und Gewinne müssen über die Masse erzielt werden. Ist der Artikel zu teuer, fallen für uns im Einkauf bereits sehr hohe Kosten an, die wir erstmal wieder reinholen müssen. Amazon hat zudem eine Filterfunktion für Preise von 20 bis 50 Euro. In dieser Preisspanne kann man gute Margen erzielen und zudem sind die Chance für Spontankäufe relativ hoch.
  • werden nachgefragt und verkaufen sich: Dein Produkt sollte also in gleicher oder ähnlicher Art bereits auf Amazon zu finden sein und sich gut verkaufen. Wie gut sich ein Produkt verkauft, kann man über den “Bestseller Rang“ (BSR) abschätzen. Dies ist der Rang, den ein Produkt in seiner gelisteten Kategorie hat. Auch hier kann man keine genaue Zahl nennen. Orientiere dich aber grob an Produkten mit einem BSR von 150 – 3000 (bezogen auf die Hauptkategorie). Du findest den BSR in den Produktinformationen am Ende eines Listings. Dort steht dann beispielsweise „Amazon Bestseller-Rang: Nr. 368 in Sport & Freizeit“. Die Ränge der Unterkategorien interessieren uns erstmal nicht.
  • sind günstig im Einkauf: Damit sich der Verkauf lohnt, sollte dein Produkt im Einkauf (inklusive Versand) maximal 1/4 des späteren Verkaufspreises ausmachen. Denn spätere Kosten wie etwa Zoll, Überweisungen ins Ausland und die Amazon-Gebühren sind nicht zu unterschätzen.
  • sind speziell: Das potentielle Produkt ist „nischig“ genug, aber dennoch nicht zu exotisch. Statt einfach einer Bauchtasche solltest du dich eher auf einen elastischen Sport- und Fitnessgürtel mit Taschenfunktion oder einer Bauchtasche mit RFID-Blockierung speziell für Reisende konzentrieren.
  • sind simpel: Es sollte selbsterklärend sein und aus möglichst wenig Einzelteilen bestehen. Damit ersparen wir uns z.B. auch die Pflicht einer Gebrauchsanweisung.
  • sind ungefährlich: Meide Produkte, von denen eine Verletzungsgefahr ausgehen könnte lieber direkt, um dir Ärger zu ersparen.
  • sind nicht saisonal: Wir suchen möglichst ein Produkt, das ganzjährig gekauft wird und nicht mehrere Monate in den Lagern verstaubt.
  • sind nicht elektronisch oder empfindlich: Um die Retourenquote und das Risiko, dass ein Teil der Ware bereits beim Import kaputt geht, möglichst klein zu halten, vermeide den Verkauf von elektronischen und zerbrechlichen Produkten.
  • stehen nicht im Schatten großer Marken: Wer als Neueinsteiger mit einem Produkt versucht gegen große und bekannte Marken anzukommen, wird sehr wahrscheinlich unglücklich. Es macht wenig Sinn etwa Sportschuhe herstellen zu wollen und in Konkurrenz mit Adidas und Nike zu treten.

 

Die Produktrecherche

Da die Anforderungen nun geklärt sind, gehen wir wieder einen Schritt weiter. Wie und wo finden wir nun unser erstes Produkt? Dafür gibt es verschiedene Herangehensweisen.

 

Offline

Starte im eigenen Umfeld und entwickle einen alltäglichen Blick für potentielle Produkte. Beobachte dich selbst und andere im Alltag und im Job. Welche Gegenstände benutzt du täglich und gibt es dort Verbesserungsmöglichkeiten? Welche Interessen hast du und was könnte dir den Alltag noch leichter machen? Schreibe dir ein paar Tage lang alles auf, was dir dazu in den Sinn kommt.

Gute Gelegenheiten um Produkte zu finden sind:

  • Einkaufsbummel
  • Wochenmärkte
  • Werbeprospekte
  • Baumarkt, Möbelhaus, Großhandel
  • Messen und Ausstellungen
  • Aktives Beobachten im Umfeld

 

Über Amazon

Um Produkte zu finden, die wir auf Amazon verkaufen können, bietet es sich natürlich an, genau dort auch zu recherchieren. Es gibt eine Möglichkeit, sich die Bestseller aus den unterschiedlichen Hauptkategorien auf Amazon anzeigen zu lassen. Dafür suchst du bei Google nach „Amazon Bestseller“ und klickst auf den ersten Treffer oder nimmst direkt diesen Link.

Stöbere dann durch die Hauptkategorien (Baby, Haustier, Küche & Haushalt usw.) und klicke dich anschließend auch weiter in die Unterkategorien. Schaue dir Preise, Bestseller-Ränge und das Listing verschiedener Produkte an, die für dich interessant sind.

Achte bei der Recherche darauf, dass sowohl Marktbreite, als auch Markttiefe und Konkurrenten vorhanden sind. Wenn du ein interessantes Produkt gefunden hast, dann teste auf Amazon über verschiedene Keywords, wie du das Produkt findest. Achte darauf, dass es zumindest ein paar ähnliche Produkte gibt und die Bestseller-Ränge der – sagen wir – ersten 5 – 10 Treffer nicht zu stak abfallen. Damit stellst du sicher, dass sich nicht nur das erste Top Produkt verkauft, sondern ein Gleichgewicht vorhanden ist.

 

Mit Analyse-Tools

Es gibt mittlerweile einige und immer besser werdende Tools, die dich bei der Produktrecherche unterstützen können. Eines ist z.B. Marketplace Analytics. Dort kannst du mit verschiedenen Einstellungen die Verkaufskategorien durchsuchen und nach deinen Kriterien filtern lassen.

Weitere Helfer für die Produktsuche:

  • Amazon Seller Browser: Ein Plugin für Google Chrome, mit dem du die BSRs auf Amazon sehen kannst, ohne die einzelnen Produkte anklicken zu müssen.
  • Camel Camel Camel: Damit kannst du online Amazon-Preise verfolgen und Produkte beobachten.
  • AMZ Shark: Ein Analyse-Tool, ähnlich wie Marketplace Analytics
  • Die Amazon Seller App: Wenn du einen Power-Seller-Account hast, kannst du über die App auch unterwegs Ideen sammeln und dir z.B. Topseller, Aufsteiger des Tages oder Neuerscheinungen anzeigen lassen.

 

Über die Hersteller

Eine andere Herangehensweise ist, sich direkt über potentielle Hersteller Anregungen für gute Produkte zu holen. Sinnvoll wäre es dafür aber vorab zu wissen, für welche Produktkategorien du dich interessierst. Wichtig ist auch, dass du dir Gedanken machst, ob für dich ein Import, beispielsweise aus Asien, überhaupt infrage kommt oder ob du dich nur auf Deutschland oder Europa konzentrieren möchtest. Auch hier kann man nicht sagen, welches der beste Weg ist. Es kommt einerseits auf dein Produkt und Budget an – Herstellung in Deutschland wird in den meisten Fällen teurer sein als in China – und zum anderen auf die Komplexität deines Produktes und deine Fähigkeiten und Lernbereitschaft. Nicht jeder fühlt sich wohl beim Gedanken an Verhandlungen auf Englisch oder den Zollvorgang.

Auf die jeweiligen Vorteile beim Einkauf aus den unterschiedlichen Ländern gehe ich dann im nächsten Teil weiter ein. Dort erfährst du dann auch, wie du passende Hersteller für dein künftiges Produkt findest.

 

Ideenfindung beim Surfen

Eine weitere gute Möglichkeit um neue Produktideen zu bekommen, ist über diverse Internetseiten

  • Plattformen für Handgemachtes, wie Etsy oder DaWanda eignen sich super zum Stöbern.
  • über Thieve findest du Neues und Trendiges auf Aliexpress, dem „kleinen Bruder“ von Alibaba (dazu im nächsten Teil mehr).
  • Über das soziale Netzwerk Pinterest kannst du dir ebenfalls viele Anregungen holen.
  • Über Seiten, die auf Trendsuche spezialisiert sind, wie Trendhunter, Springwise oder Trendwatching.
  • Per Newsletter von anderen Anbietern oder Trendblogs bekommst du neue Ideen direkt ins Mail-Postfach.

 

Darf ich oder darf ich nicht?

Wie bei den Produkten selbst, gibt es auch drum herum noch einiges zu beachten. Wenn du dich vorher informierst, ersparst du dir viel Zeit und Ärger.

Was du beachten solltest:

 

Verkaufskategorien

Für einige Kategorien auf Amazon musst du dich erst freischalten lassen, um dort verkaufen zu können. Dazu zählen:

  • Bekleidung
  • Bier & Wein
  • Computer-Zubehör
  • Drogerie, Körperpflege & Gesundheit
  • Elektronik-Zubehör
  • Lebensmittel
  • Parfümerie & Kosmetik
  • Schmuck
  • Spirituosen
  • Uhren

Um hier eine Genehmigung zu bekommen, musst du dich an Amazon wenden. Wie (zeit-)aufwändig das ist, kann ich bisher noch nicht sagen, es kommt aber auch hier auf das Produkt an.

 

Zertifikate & Sonderbestimmungen

Zertifikate bestätigen die Sicherheit und Qualität der Produkte. Je nach Produkt und Vorhaben, solltest du dich daher beim Hersteller über vorhandene Nachweise informieren und dir diese zuschicken lassen. Du kannst eine Prüfung auch selbst durch eine Stelle in Deutschland oder Asien veranlassen. Dies kann allerdings ziemlich ins Geld gehen. Kläre daher vor deinem Einkauf, welche Unterlagen du wirklich für dein neues Produkt brauchst und welche einfach „nice to have“ sind. Infos bekommst du z.B. beim Zoll über die Zolltarifnummer deiner Ware (vom Hersteller erfragen oder selbst recherchieren) und beim TÜV.

Um dein Haftungsrisiko als Hersteller und Anbieter der Waren so gering wie möglich zu halten, solltest du dich natürlich auch an die gesetzlichen Vorgaben und Sonderbestimmungen halten. Oft gibt es Anforderungen an die Waren, die eingehalten werden müssen. So beispielsweise auch bei Produkten, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Infos zu Zulassungen und Anforderungen bekommst du beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

 

Eine Sache noch zum Schluss

Wenn wir uns auf die Suche nach einem Produkt machen, sollten wir stets im Hinterkopf behalten, dass wir dem Kunden eine Verbesserung und dazu auch die bestmögliche Qualität bieten wollen. Um nachhaltigen Erfolg zu haben, behalte aber auch ökologische und ökonomische Aspekte im Auge. Es geht hier nicht um den schnellen Euro mit klischeehaftem Billigschrott aus Fernost oder um verantwortungslosen Umgang mit Ressourcen um jeden Preis. Als Selbständige haben wir neben der unternehmerischen Verantwortung auch die Möglichkeit, einen guten Beitrag in der Welt zu leisten. Zudem wollen wir langfristig erfolgreich sein und unsere Marke etablieren, also: verkaufe nur, was du selbst kaufen würdest!

Nun hast du aber erstmal eine Woche Zeit für deine Recherche. Wir sehen uns dann zum nächsten Teil wieder und begeben uns auf die Herstellersuche. Ich wünsche dir nun viel Erfolg bei deiner Produktsuche!

 

Bis dahin – alles Gute!

Nina, www.co-monkey.de

 

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Nina

studiert, schreibt und arbeitet an neuen Ideen in Berlin. Mit ihren Texten möchte sie unkonventionelle Wege und Alternativen zeigen, um mehr Zufriedenheit in den privaten und beruflichen Alltag all jener zu bringen, die Lust auf Veränderungen haben.

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1 Antwort

  1. 2. November 2016

    […] waren spannend und arbeitsreich. Wir haben uns viel mit dem FBA-Geschäftsmodell beschäftigt, Produkte und Hersteller recherchiert und den Bestell- und Importprozess abgewickelt. Nun wollen wir […]

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