Gewerbeanmeldung in weniger als 30 Minuten – So schnell kann’s gehen

Wir befassen uns immer öfter mit (Neben-)Jobs, der Selbstständigkeit und Online-Geschäftsmodellen. Nun wird es Zeit, dass wir einen Schritt zurück gehen und uns auch um die Gewerbeanmeldung kümmern. Das geht meist schneller, günstiger und unkomplizierter, als du vielleicht denkst.

Wenn du auf eigene Faust bzw. im Internet dein Geld verdienen willst und deine Tätigkeit nicht unter die Katalogberufe der Freiberufler fällt, bist du in Deutschland nicht nur zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, sondern brauchst auch einen Gewerbeschein.

Damit du dich schneller auf das Wesentliche konzentrieren kannst, zeige ich dir heute, wie fix du eine Gewerbeanmeldung hinter dich bringen und mit dem Business starten kannst. Dafür sollten wir als Erstes klären, ab wann deine Leistungen überhaupt gewerblich eingestuft werden.

Einkünfte aus Gewerbebetrieb liegen nach § 15 Abs. 2 EStG dann vor, wenn die Tätigkeit:

  • selbständig,
  • nachhaltig,
  • mit Gewinnerzielungsabsicht und
  • durch Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr

ausgeübt wird. Das ist u.a. dann der Fall, wenn du deine Leistungen wiederholt sowie auf eigene Rechnung und Gefahr anbietest.

Trifft dies auf dich zu, benötigst du also einen Gewerbeschein. Diesen solltest du dir auch schnellstmöglich besorgen, spätestens aber 3 Monate nach dem Start deiner Selbstständigkeit, da dir ansonsten ein Bußgeld drohen kann. Für die Gewerbeanmeldung brauchst du aber nicht viel mehr als deinen Personalausweis, ein paar Euro, etwas Zeit und einige Gedanken vorab.

 

Vorüberlegungen

Bevor du dich auf den Weg machst um den Antrag auszufüllen, solltest du dir einige Gedanken machen. Neben der Wahl der für dich richtigen Rechtsform, solltest du auch überlegen, wie du deine künftige Tätigkeit für den Gewerbeschein beschreibst. Das ist wichtig, weil für eine nachträgliche Änderung oder Ergänzung Kosten anfallen, die höher sein können, als die Anmeldung selbst. Es macht auch Sinn, schon vorsorglich potentielle Dienstleistungen, die du vielleicht in Zukunft anbieten möchtest, direkt mit aufzuführen. Die Kosten für die Gewerbeanmeldung bleiben gleich, unabhängig von der Anzahl der aufgeführten Tätigkeiten. Diese müssen auch nicht artverwandt sein.

Grundsätzlich besteht in Deutschland Gewerbefreiheit. Wichtig ist aber, dass du beachtest, dass du für manche Tätigkeiten ggf. eine Erlaubnis vorlegen musst. Dies trifft zwar auf die meisten Fälle einer Online-Selbständigkeit nicht zu. Dennoch solltest du dich vorher informieren oder einen Blick in die Gewerbeordnung werfen. In §§ 29 ff. GewO sind die erlaubnispflichtigen Gewerbe aufgeführt.

Dazu zählen etwa:

  • Betrieb von Privatkrankenanstalten
  • Schaustellung von Personen
  • Betrieb von Gewinnspielgeräten und Spielhallen
  • Ausübung der Pfandleihe
  • Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe
  • Durchführung von Versteigerungen
  • Makler, Anlageberater, Bauträger, Baubetreuer
  • Versicherungsvermittler
  • Versicherungsberater
  • Reisegewerbe

und diverse andere.

 

Der Antrag für die Gewerbeanmeldung

In der Regel musst du deinen Antrag für die Gewerbeanmeldung beim Gewerbe- oder Ordnungsamt deiner Stadt vor Ort ausfüllen und direkt bezahlen. In einigen Städten geht das mittlerweile aber auch online. Wie und auf welchem Wege das in deiner Gemeinde funktioniert, bekommst du mit einem kurzen Telefonat oder mithilfe von Google heraus.

Die Anmeldung selbst umfasst – schon fast unüblich für ein deutsches Formular – nur eine Seite und benötigt nur wenige Angaben zu deiner Person und deinem künftigen Gewerbe. Unter dem Punkt „Angemeldete Tätigkeit“ folgt nun die schon angesprochene Beschreibung deines künftigen Vorhabens.

Die Beschreibungen deiner Tätigkeit sollte dabei nicht zu oberflächlich formuliert werden. Wenn du beispielsweise „Onlinehandel mit Waren aller Art“ aufführst, wirst du wahrscheinlich weitere Nachfragen von deinem Sachbearbeiter bekommen. Das liegt etwa daran, dass du für den Verkauf einiger Warengruppen unter anderem spezielle Genehmigungen brauchst, die du vorlegen musst. Es geht aber nicht darum, exakt jedes Produkt aufzuführen, das du verkaufen möchtest – hier solltest du nämlich ebenfalls aufpassen, dass deine Beschreibung nicht zu speziell wird – es geht vielmehr darum, dass man sich ein grobes Bild von deiner angestrebten Tätigkeit machen kann. Dazu kannst du etwa in der Zeile hinter die Tätigkeit in Klammern einige Beispiele aufführen. Im eCommerce-Bereich sollte dir eine Beschreibung wie etwa „Onlinehandel mit Waren des täglichen Gebrauchs (z.B. Küchen-, Bad- und Haustierbedarf, Geschenkartikel usw.)“ genügend Spielraum geben für künftige Produktideen. Im Zweifel helfen dir die Angestellten der Behörde bei der Formulierung aber auch weiter.

Je nach dem, in welcher Ecke von Deutschland du lebst, variieren die Kosten für den Gewerbeschein. Die Gemeinden legen diese selbst fest, deshalb kann man keine genaue Aussage treffen. Bisher habe ich alles im Bereich zwischen 15 und 60 Euro gehört.

Ich habe meinen Gewerbeschein im Februar in Berlin beantragt. Der ganze Prozess lief über ein Onlineformular und hat mich 15 Euro und weniger als 30 Minuten Zeit gekostet. Nachdem die gezahlte Gebühr beim Amt eingegangen war, konnte ich den Gewerbeschein über das Portal herunterladen. Bei einer Gewerbeanmeldung vor Ort kannst du ihn anschließend direkt mitnehmen. Dafür brauchst du, soweit ich weiß, auch keinen Termin.

 

Die Rechtsform

Vor dem Start solltest du natürlich wissen, welche Rechtsform für dein künftiges Unternehmen sinnvoll ist und ob du allein oder im Team gründen willst. Jede Rechtsform hat seine Vorteile, aber auch unterschiedliche Pflichten und Gründungskosten. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Die wohl einfachste Möglichkeit direkt zu starten, und erste Unternehmerluft zu schnuppern, ist die Gründung eines Einzelunternehmens – sofern keine Geschäftspartner beteiligt sind. Die Pflichten und administrativen Aufgaben sind dabei überschaubar.

Ein paar Eckdaten zum Einzelunternehmen:

  • Du trittst mit eigenem Namen im Geschäftsverkehr auf
  • Für die Steuererklärung reicht (in der Regel) eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)
  • Bilanzierungspflicht erst ab mehr als 500.000 Euro Jahresumsatz und 50.000 Euro Jahresgewinn

Natürlich gibt es für Einzelunternehmer auch Nachteile. So haftest du im Ernstfall etwa mit deinem Privatvermögen. Stelle also die Vorteile auch den Risiken gegenüber, bevor du dich entscheidest.

 

Kleinunternehmerregelung

Du kannst als Einzelunternehmer in den meisten Fällen von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen. Das erleichtert vielen Neuunternehmern den Einstieg – z.B. durch vereinfachte Buchhaltung und der Befreiung von der Umsatzsteuer nach § 19 UStGOb sich die Kleinunternehmerregelung für dich lohnt, musst du spätestens dann entscheiden, wenn sich nach der Gewerbeanmeldung das Finanzamt bei dir mit dem Fragebogen meldet.

 

Nach der Gewerbeanmeldung

Etwa zwei Wochen nach der Gewerbeanmeldung bekommst du Post vom Finanzamt mit der Aufforderung, den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ auszufüllen.

Wenn du als Einzelunternehmer startest, ist hier der Zeitpunkt, an dem du dich u.a. für oder gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidest. Des Weiteren sollst du auf diesem Fragebogen eine möglichst realistische Einschätzung deiner zu erwartenden Einnahmen abgeben, um eventuelle Steuerrück bzw. -nachzahlungen im Rahmen zu halten.

Einige Zeit nachdem du den Bogen zurückgeschickt hast, bekommst du dann auch deine Steuernummer mitgeteilt, sofern du noch keine hast. Diese dient der eindeutigen Zuordnung jedes Steuerpflichtigen und wird für sämtliche Verwaltungsvorgänge benötigt.

Als neuer „Mitspieler“ im aktiven Wirtschaftsleben wirst du zudem auch Mitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) deiner Region und bekommst Infos per Post. Die Mitgliedschaft lässt sich nicht umgehen, ist aber vorerst und bis zu gewissen Umsatzgrenzen kostenlos. Die anschließenden Beiträge sind – je nach Gemeinde – unterschiedlich hoch und werden immer wieder neu festgelegt. Die IHK ist die Interessenvertretung der Wirtschaft und u.a. für die Berufsausbildungen zuständig. Darüber hinaus dient sie auch als Anlaufstelle für diverse Fragen rund um unternehmerische Aufgaben wie Steuern, Buchhaltung und anderes.

 

Fazit

Jeder, der sich ein (zweites) eigenes Standbein aufbauen möchte, muss sich an gewisse Spielregeln halten. Auch wenn die Regelungen und Gesetze in Deutschland auf den ersten Blick erschlagend wirken, so findet man sich nach einiger Zeit gut zurecht. Mit etwas Recherche stößt man zudem auf jede Menge guter Quellen im Netz, die helfen, die anfänglichen Hürden zu überwinden. Die Existenzgründung im Internet braucht dann letztendlich weniger Aufwand und Zeit als die Meisten vielleicht denken. Also schrecke nicht schon zu Beginn davor zurück, sondern lerne alles was du für dein Business benötigst Schritt für Schritt unterwegs!

 

Nina, www.co-monkey.de


 

Nina

studiert, schreibt und arbeitet an neuen Ideen in Berlin. Mit ihren Texten möchte sie unkonventionelle Wege und Alternativen zeigen, um mehr Zufriedenheit in den privaten und beruflichen Alltag all jener zu bringen, die Lust auf Veränderungen haben.

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7 Antworten

  1. Dominik sagt:

    Hallo Nina 🙂

    Ich habe letztes Jahr im November ein Kleingewerbe angemeldet. Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach ist. Ich glaube, viele Leute hält es zurück, sich ein zweites Standbein aufzubauen, da sie denken, dass das alles so kompliziert ist.
    Ist es aber nicht.

    Ich finde, es macht sehr viel Spaß 🙂

    • Nina sagt:

      Hi Dominik,

      du hast recht, es macht auf jeden Fall Spaß und ist viel unkomplizierter als viele denken! Man sollte es zumindest mal versuchen – Alles was man wissen muss, lernt man „unterwegs“ 🙂

      LG

  2. Sehr ausführlicher Artikel. Hoffentlich ist bald das Finanzamt mit der Zuteilung der Steuernummer bei Jungunternehmen auch schneller 😉

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