Vorträge – Referate – Präsentationen: Der Angst begegnen

Es gibt wenige Menschen, die vollkommen unaufgeregt vor einer Gruppe anderer Personen Vorträge halten. Schon während der Schulzeit beginnen viele solche Situationen zu vermeiden und im Studium oder Beruf ist dies selten anders. Sobald doch einmal eine Präsentation ansteht, wird sie häufig nur mit höchst unguten Gefühlen angetreten.

Aber das lässt sich ändern.

 

Zumeist sind wir im Laufe unserer Schulzeit erstmals mit dem Thema „Präsentation“ in Berührung gekommen. Kleinere Ausarbeitungen, die im Rahmen von Referaten vor der Klasse vorgetragen werden mussten.

Als die Schulzeit endete, hofften viele von uns, dass dies auch für die Ära der Referate galt. Spätestens während der Ausbildung oder des Studiums wurden die meisten jedoch schneller wieder mit Vorträgen konfrontiert als ihnen lieb war. Hatten es einige noch geschafft, sich in der Schulzeit vor Referaten drücken zu können, z.B. indem sie bei Gruppenarbeiten die gesamte Ausarbeitung übernahmen und dafür das Vortragen den anderen überließen, klappte dies nun in der Regel weniger leicht.

Mir schon. Zumindest bis zum April diesen Jahres.

 

 

Persönliche Betrachtung

 

In der Schulzeit

In der Schulzeit gehörte ich zu der Gruppe Mensch, die wirklich viel Freude in der Ausarbeitung der Vorträge hatte und in den ersten Schuljahren auch keine Probleme mit dem Präsentieren von diesen. Mit zunehmendem Alter wandelte sich dies jedoch so stark, dass ich regelrechte Angstzustände bekam, sobald ich wusste, dass ich nach vorne treten musste. Nach einer unschönen Begebenheit, in welcher ich vorne stand und mein Kopf plötzlich vollkommen leer war, mir die Worte fehlten und ich den Raum verließ, tat ich im Nachhinein genau das Falsche: Ich vermied jegliche Konfrontation.

Kurz darauf hatte ich mein Abitur in der Tasche und es vermeintlich geschafft. Im Fernstudium waren Präsentationen nicht vorgesehen, erst mit meinem Hochschulwechsel im April änderte sich dies. Wenn ich verrate, dass ich kurzzeitig sogar hiervor zurückschreckte, weil ein Modul komplett aus Präsentationen und der Vermittlung von Trainerkompetenzen bestand, dann ist das im ersten Moment irgendwie lustig, aber auch rückblickend ziemlich traurig.

 

Sprung ins kalte Wasser

Nach über acht Jahren ohne Klassenstruktur, musste ich mich nicht nur an die veränderten Lernbedingungen gewöhnen (dies werde ich demnächst noch einmal näher beschreiben), sondern auch ziemlich schnell ins kalte Wasser springen und mich vor der Gruppe zeigen. Am dritten Tag schon stand mir das gefürchtete Modul bevor.

Es begann relativ harmlos – ein Plakat über sich erstellen und dies im Kreis den anderen vortragen. Eigentlich kein großes Ding, aber mir schlotterten bereits zu diesem Zeitpunkt die Knie. Im nächsten Schritt sollten wir einen Kurzvortrag von 10 Minuten vorne präsentieren. Ein absoluter Alptraum für mich. Das Wissen, dass sich schon in wenigen Minuten für eine gefühlte Ewigkeit so viele Augenpaare auf mich richten würden, ich vernünftige Sätze sprechen sollte und unter gar keinen Umständen wollte, dass diesen mir bis dato doch unbekannten Menschen gleich zu Beginn auffiel, wie „unfähig“ ich sei, führten zu dem eklatanten Bedürfnis, den Raum zu verlassen und zur Fernuniversität zurückzukehren. Als ich nach vorne treten musste, merkte ich, wie meine Knie weich wurden. Nur nicht schlapp machen jetzt. Einfach den Text runterspulen, versuchen Fragen einzubauen. Wie in Trance durchlebte ich die nächsten Minuten.

Nach jedem Vortrag bekamen wir Feedback von den anderen. Sehr konstruktives. Nach einer Reihe professionell gehaltener Vorträge, machte ich mich dementsprechend auf viele kritische Anmerkungen gefasst. Aber es kam nichts dergleichen, im Gegenteil. Anstatt die positiven Äußerungen jedoch annehmen zu können, war ich felsenfest davon überzeugt, dass mir die anderen angemerkt hatten, wie viel Aufregung bei mir vorhanden war und mich nicht gleich zu Beginn entmutigen wollten. In der Pause tauschte ich mich mit einigen anderen aus, die zuvor ebenfalls von großer Nervosität berichtet hatten, ich ihnen jene aber nicht ansatzweise angemerkt hatte. Bei diesem Abgleich unserer Wahrnehmungen, stellten wir fest, wie stark diese doch auseinander gingen. Während die Selbstwahrnehmung der Vortragenden sich größtenteils auf negative Aspekte fokussierte, hatten wir als Zuhörer dies ganz anders erlebt.

 

Wahrnehmungswandel

Es folgten große Gruppenpräsentationen, die immer wieder von Feedbackrunden unterbrochen wurden – mal durch die eigenen Gruppenmitglieder, dann wieder durch fremde oder den Dozenten.

Videofeedback. Als wir das hörten, stimmten wir Kursteilnehmer allesamt überein, das wir uns selbst die Bänder nicht anschauen wollten. Wer hört sich selbst schon gerne reden und sieht sich dabei auch noch? Einige von uns waren sicher, dass nur Narzissten dies liebend gern sehen würden.

Dennoch veränderte sich im Laufe der Zeit bei uns etwas, wir lernten durch das wiederholte Feedback der unterschiedlichen Teilnehmer, dieses auch in unser eigenes Selbstbild zu integrieren. Anstatt sich nur auf die eigenen negativ wahrgenommenen Aspekte zu konzentrieren, rückten auch die positiven Anmerkungen weiter in das Blickfeld. Allmählich sank meine Nervosität.

Nach unserer letzten großen Präsentation schauten wir uns gemeinsam dann doch die Videos unserer Vorträge an. Ein ganz eigenartiges Gefühl, als ich plötzlich feststellte, dass meine Befürchtungen nicht zutrafen. Weder fielen meine „ähhhhms“ so sehr ins Gewicht, wie ich es in der Situation wahrgenommen hatte, noch war mir ein drohender Kreislaufzusammenbruch anzumerken. Wie mir, ging es auch vielen anderen. Aus dieser Perspektive ließ sich das erhaltene Feedback viel besser nachvollziehen.

Hatten wir alle diesem Seminar zuvor skeptisch gegenüber gestanden, waren wir zum Abschluss sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Die nächsten Präsentationen im Semester waren tatsächlich besser: keine schlaflosen Nächte im Vorfeld, keine übermäßige Angst, sondern einfach eine angemessene Art der Aufregung.

 

Warum aber schreibe ich das überhaupt?

Aufregung und die damit verbundenen körperlichen Empfindungen sind gerade bei weniger routinierten Tätigkeiten bis zu einem gewissen Ausmaß absolut normal. Je mehr Zeit zwischen dem letzten und dem nächsten Vortrag vergeht, desto angstbesetzter werden die Situationen.

Meine Schilderung des Beispiels mit dem Blackout, nach dem ich zukünftig Referate vermied, lässt sich auch auf andere Situationen übertragen. Vielleicht hat der ein oder andere von euch schon einen Autounfall gebaut. Je mehr Zeit man verstreichen lässt, ehe man sich wieder ins Auto setzt, desto mehr Befürchtungen und Unsicherheiten sind mit dem eigenen Fahren (bzw. allein mit dem Gedanken an dieses) verbunden. Natürlich kann man ab sofort alle Situationen vermeiden, in denen man Präsentationen halten oder selbst Auto fahren muss.

Ich selbst werde nie eine große Rednerin werden und freiwillig vor einem großen Publikum sprechen. Aber darum geht es auch gar nicht. Sondern darum, dass man sich mit diesen Situationen auseinandersetzt und lernt. Für und über sich selbst. Parallel soll meine Geschichte auch aufzeigen, wie unterschiedlich doch unsere Selbst- und Fremdwahrnehmungen sind und wie sehr sie gefärbt sind, von den  Eindrücken und Gefühlen der situationalen Begebenheiten. Natürlich sollt ihr weiterhin euren eigenen Wahrnehmungen trauen, aber manchmal schadet es auch nicht, diese aus einer anderen Perspektive unter die Lupe zu nehmen. Und vor allem: Gebt euch selbst eine Chance.

 

Vorträge, Präsentationen und Referate halten – eine Anleitung

 

Gelegenheiten ergreifen – vom Kleinen zum Großen

Bekommt ihr in der Universität, Schule oder auch am Arbeitsplatz die Möglichkeit einen Vortrag zu halten, ergreift sie! Es muss ja nicht gleich vor hunderten von Zuhörern über zwei Stunden Dauer sein. Vielleicht gibt es schon in der nächsten Teambesprechung die Option, in der gemeinsamen Runde eine Zusammenfassung der letzten Sitzung an alle zu geben.

Seid ihr in der Universität und müsst zwangsläufig in eurem Seminar ein Referat halten? Zögert euren Termin nicht zu weit hinaus. Wenn ihr nicht beginnen wollt, versucht dennoch unter den ersten Vortragenden zu sein. Warum? Weil ihr sonst vermutlich die Anspannung bis zu eurem eigenen Referat aufrecht halten werdet. Je eher ihr vortragt, desto entspannter könnt ihr die nächsten Termine angehen und den anderen Teilnehmern lauschen.

 

Die Vorbereitung

Improvisation ist super – eine gute Vorbereitung aber auch. Gerade zu Beginn ist eine gute Ausarbeitung für unsichere Personen wichtig. Je intensiver sich mit dem Thema befasst wurde, umso mehr werden die Inhalte verinnerlicht. Und umso stärker dies geschieht, desto leichter sind diese ergo auch wieder abzurufen. Legt euch eine klare Struktur für eine Präsentation zu. Was wollt ihr alles sagen, wie lassen sich die Inhalte am besten zusammenstellen?

 

  • Hilfsmaterialen: Welche Art der Präsentation wählt ihr? PowerPoint, Prezi, Flipchart, OHP etc.? Kümmert euch vorher um die Technik und macht euch mit dem Programm vertraut. Nichts irritiert mehr, als wenn ihr im gefüllten Raum plötzlich noch überlegen müsst, wie man die Präsentation nun startet, wo Stifte für den OHP aufzutreiben sind, etc..
  • Art der Präsentation: Soll es ein reiner Vortrag werden, bei dem Informationen vermittelt werden oder wollt ihr das Publikum mit einbeziehen? Überlegt euch kleine Fragen, die die Teilnehmer aktivieren, plant ausreichend Zeit für mögliche Diskussionen ein und überlegt, ob ihr Zwischenfragen direkt oder erst im Anschluss beantworten möchtet.
  • Freie Rede oder Stichwörter? Ein komplett freier Vortrag wirkt natürlich um einiges professioneller, aber gerade am Anfang, wenn die Nervosität noch groß ist, bietet es sich an, unterstützend Stichwörter oder die Gliederung aufzuschreiben. Beachtet hier, wo ihr eure Notizen niederschreibt. DIN-A4 Zettel werden bei zitternden Händen bspw. mehr mitwackeln, als DIN-A5 Karteikarten. Möchtet ihr dem Kartenchaos entgehen, denkt auch an alternative Möglichkeiten wie Tablets oder die Notizenfunktion bei PowerPoint.
  • Sitzend oder stehend? Das ultimative Ziel wäre natürlich freisprechend durch den Raum laufen zu können, nicht an einer Stelle zu verharren und dabei noch die Teilnehmer zu aktivieren ohne anschließend den Faden zu verlieren. Wenn ihr die Wahl habt, entscheidet euch für die Option, die euch leichter fällt. Einige sitzen lieber, während wieder andere es vorziehen sich im Raum bewegen zu können und dabei zu gestikulieren.
  • Übt euren Vortrag zu Hause ein: Im Sitzen, Liegen, vor dem Spiegel oder als ultimative Krönung vor einer Kamera. Habt ihr eine am Laptop, zeichnet euren Vortrag auf und haltet es aus, euch diesen anzuschauen. Und vor allem gleicht ihn mit euren Emotionen währenddessen ab.

 

Der Vortrag

Plant ausreichend Zeit für eure Ankunft ein und setzt euch vorher lieber noch in Ruhe mit den technischen Gegebenheiten vor Ort auseinander und atmet einmal durch.

Seid ihr sehr nervös, erinnert euch daran, wie der Vortrag zu Hause ablief. Vertraut euch selbst. Während ihr sprecht, versucht zwischenzeitlich darauf zu achten, ob ihr gut zu verstehen seid (Lautstärke und Schnelligkeit). Improvisiert an einigen Stellen, wenn es euch möglich ist und tragt nicht nur auswendig vor. Sucht immer wieder den Blickkontakt zu den Zuhörern.

Seid ihr fertig, hört euch das Feedback an und gleicht es später mit euren Empfindungen ab. Ist Feedback eigentlich nicht vorgesehen, versucht euch dieses im Anschluss an eure Vorträge aktiv von einzelnen Personen zu holen. Denkt ihr, dass diese nur Positives äußern werden, fragt gezielt nach Verbesserungsmöglichkeiten für die nächste Präsentation. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl das Gegenüber ehrlich seine Gedanken äußert, als dass auch ihr diese annehmen könnt.

 

Abschließend

Vorträge können auch mal schlecht laufen. Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr einmal nicht mit euch zufrieden seid. Versucht stattdessen das Feedback der anderen sowie eure eigenen Analysen für die nächsten Male mit einfließen zu lassen. Lasst euch nicht abschrecken und erwartet nicht, dass ihr schon beim zweiten Mal weder Aufregung im Vorfeld verspürt, noch eine tolle freie Rede haltet. Gebt euch Zeit – und auch wenn ich normalerweise kein Freund von Sprichwörtern bin: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Probiert es wieder aus, lernt aus euren Fehlern und aus euren Stärken. Haltet euch vor allem letztere vor Augen und baut diese aus, optimiert euren Vortragsstil und euch selbst. Ihr könnt dabei viel über euch lernen.

 

Im nächsten Semester geht es bei mir mit kleinen und großen Vorträgen weiter. Auch ich kann mir noch immer etwas Schöneres vorstellen, als vor Menschen zu sprechen, aber ich freue mich dennoch auf diese Herausforderung. Mein großes Ziel: Eines Tages ein Forschungsprojekt vor einem Fachpublikum frei vorzutragen. Die kleinen Etappenziele: Freier Vortrag (in der Dauer steigern), öfter freiwillig für Referate oder Zusammenfassungen melden, freier Vortrag im Stehen unter Einbezug des Publikums.

Und eure?

Frau Surreal Signatur


 

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2 Antworten

  1. Christian sagt:

    Hallo,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe mich darin selbst ein wenig erkannt, da ich auch sehr, sehr nervös bin, wenn ich vor mehreren Leuten etwas vortragen soll. Ich versuche das zwar zu vermeiden, aber häufig kommt man nicht darum herum.
    Die hier vorgestellten Ratschläge sind Gold wert und schaffen Struktur. Daran kann man sich dann im Vortrag orientieren.
    Gruß
    Christian

    • frausurreal sagt:

      Hallo Christian,
      danke für dein Feedback! Vielleicht magst du demnächst ja mal zurückmelden, wie dein nächster Vortrag verlaufen ist? Ich wünsche dir, dass die Nervosität auch bei dir mit jedem Mal weiter sinkt.
      Beste Grüße
      Rebecca

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