Über Öl, Schweiß und Ziele im Leben

Wer sich mit der Selbstorganisation befasst, stolpert irgendwann auch über das Thema Zielsetzung. Doch was nützen uns die ganzen Theorien, wenn sie nicht greifbar werden? Um die Ziele im Leben zu erreichen, brauchen wir eigene Erfahrungen und ein „Take Action“.

 

Als ich mal wieder genervt war vom Chaos mit Bus & Bahn zu den Stoßzeiten in Berlin, traf ich  eine Entscheidung – ich wollte mir endlich wieder ein Fahrrad zulegen. Es sollte weder besondere Features haben, noch von einer bestimmten Marke sein. Meine Kriterien sahen eher so aus: Simpel und alt genug sollte es sein, sodass die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls sinkt. Zudem einigermaßen ansehnlich und noch in einem preislichen Rahmen, den ich verkraften kann, wenn es denn doch mal geklaut wird.

Ich machte mich also über ein Kleinanzeigen-Portal auf die Suche und wurde schnell fündig: Es war schlicht, schwarz und mit plattem Reifen, dafür preislich in meinem Budget, also kaufte ich es…

 

 

Die Euphorie war schnell vorbei

Ich schob das platte Gefährt nach Hause und ließ es erstmal im Hof rumstehen. Erst hatte ich kein Werkzeug für den Reifen, dann glaubte ich, keine Ahnung von der Materie zu haben und letztendlich hatte ich dann auch keine Lust mehr. Stattdessen kaufte ich erstmal Zubehör wie Licht und ein Schloss. Irgendwann raffte ich mich aber doch noch auf und ließ es im Fahrradladen flicken. 

Inklusive Zubehör hatte ich nun schon mehr Geld ausgegeben, als das Fahrrad einst gekostet hat und zu allem Übel erfuhr ich in dem Laden, dass es weitere Mängel gibt, die dringend behoben werden müssten. Als ich den Preis dafür hörte, der in etwa nochmal dem entsprach, was ich bisher schon ausgegeben hatte, lehnte ich dankend ab und schob das Bike wieder in den Hof – zwar ohne Platten, aber trotzdem noch kaputt.

Das war alles im letzten Frühjahr. Gefahren bin ich seitdem aber keinen einzigen Meter. Bei all den Ereignissen die übers Jahr verteilt anstanden, hab ich den Gedanken an das Fahrrad und das Vorhaben, es endlich fit zu machen, immer weiter hinaus geschoben, obwohl es die ganze Zeit auf meiner To-Do-Liste stand.

 

 

Welchen Fehler hatte ich gemacht? 

Fast ein Jahr dachte ich, dass der Fehler war, das Fahrrad überhaupt gekauft zu haben. Hin und wieder habe ich mit dem Gedanken gespielt, es wieder zu verkaufen und mich damit abzufinden.

Jetzt weiß ich, dass der Fehler in der Zielsetzung lag. Unbewusst hatte ich kürzlich etwas an meiner Aufgabenliste geändert und seit heute ist mein Fahrrad endlich wieder fit. Das Ganze hat mich einiges gekostet – finanziell aber fast nichts! Dazu später mehr.

In den letzten Tagen bin ich einige Kapitel aus dem Taschenguide Selbstorganisation durchgegangen. Das Buch stammt aus dem Haufe Shop und wurde mir freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Beim Lesen ist mir eine Grafik zum Thema Zielsetzung aufgefallen. Beschrieben werden dort die Phasen des Veränderungsprozesses – zwischen der Zielsetzung und dem Erreichen – und die damit verbundenen Gefühle bzw. Höhen und Tiefen im Laufe der Zeit.

 

Zielsetzung

Quelle: Taschenguide Selbstorganisation, Haufe Verlag

 

 

In dem Buch wird unterschieden zwischen:

 

  • Euphoriephase
  • Desillusionierungsphase
  • Tal der Tränen
  • Lernphase
  • Leistungsphase

 

Dabei habe ich gemerkt, dass ich diese Abbildung sogar aus dem Studium kenne. Aber erst jetzt, wo ich mich selbst darin wiederfinden kann, ergibt sich ein Sinn.

 

 

Kleine Erfolge als Grundlage für große Taten

Du fragst dich jetzt vielleicht, warum ich dir eigentlich meine Fahrrad-Geschichte erzähle. Nun ja – weil ich denke, dass man aus so vielen einzelnen, alltäglichen Situationen lernen kann, die größeren zusammenhängenden Prozesse zu verstehen. Ich könnte hier auch unzählige andere Beispiele bringen, aber am Ende musst du ein eigenes finden, um damit arbeiten zu können. Es gibt viele gute Bücher, aber selbst die besten davon sind nichts wert, wenn man keine Anwendung für sich findet.

Bevor du dich also an die Planung großer Ziele im Leben machst, solltest du erstmal die kleineren, in der Vergangenheit liegenden Ziele studieren und zwar sowohl die erreichten, als auch die gescheiterten. Wenn du deinen persönlichen Prozess von der Zielsetzung bis zum Erreichen verstanden hast und weißt, welche Hürden auf dich zukommen können bzw. wie du damit umgehst, kannst du dich an den kleinen Zielen orientieren, wie ein Architekt an seinen Modellen.

Zurück zu meinem Fahrrad…

 

 

Nicht nur Ziele im Leben setzen – auch richtig formulieren!

Nach den kleinen Rückschlägen in der Desillusionierungsphase – also mehr und teurere Reparatur als geplant – verließ mich irgendwann die Motivation. Hin und wieder überlegte ich, das Rad selbst zu reparieren. Dann schob ich es aber wieder auf und redete mir ein, dass ich das nicht kann

Zwischenzeitlich hatte ich von einer Fahrradwerkstatt in einem Jugendzentrum ganz in der Nähe gehört. Dort kann man an zwei Tagen pro Woche und unter Anleitung sein Rad selbst reparieren. Werkzeuge und viele gebrauchte Ersatzteile stehen sogar auch zur Verfügung.

Dadurch, dass es feste Termine für die Werkstatt gab, habe ich meinem To-Do eine entscheidende Änderung verpasst. Statt „Fahrrad reparieren“ stand dort nun „Fahrrad reparieren, Donnerstag 15 Uhr“ inklusive einer Markierung als „wichtig“. Aus dem Vorhaben wurde also endlich ein Ziel. Ich wusste nun ein paar Tage vorher, wo, wann und dass ich es überhaupt endlich anpacke. Das „Wie“ ergab sich dann von selbst.

Der nette junge Herr in der Werkstatt hatte Nachsicht mit meiner Unkenntnis über die Materie, sowie jede Menge Geduld. Es kostete mich letztendlich 4 Stunden Zeit, ölige Hände und jede Menge Schweiß, aber es hat sich gelohnt!

Wunderlist Ziele

 

 

 

Später am gleichen Tag las ich das Kapitel über die Zielsetzung. Das war dann der Moment des berühmten gefallenen Groschens. Als ich mir die Grafik ansah, stellte ich fest, dass ich bis zuletzt irgendwo im „Tal der Tränen “ feststeckte. Ich hatte mir kein echtes Ziel gesetzt, sondern nur einen Vorsatz notiert.

Es fehlte an einem konkreten Zeitraum, indem ich die Aufgabe erledigen wollte oder schlichtweg an einem Termin – ein Moment, an dem man weiß, dass man loslegen muss. In englischsprachigen Blogs- und Podcasts wird dafür oft die Bezeichnung „take action“ benutzt. Ich mag diesen Ausdruck, er klingt nach Energie und positiver Vorfreude!

 

 

Take Action! – Der Moment des Loslegens

Erst durch die tatsächliche Handlung, also dem ersten Schritt – und sei er auch noch so klein – wird aus einem Vorhaben ein Ziel! Dieser Übergang kostet oft viel Überwindung. Manchmal hilft es aber, wenn du dich fragst „was kann im schlimmsten Fall passieren?“. Der Worst-Case, der uns zweifeln lässt, steht meist in keinem Verhältnis zu dem, was uns die Veränderung an positiven Eigenschaften bringt.

Der erste Schritt ist dabei pure Energie – denn jeder kleine Erfolg auf demWeg zum Ergebnis fördert die Motivation und bringt uns voran. Wenn es nicht essentiell ist, kann man offene Fragen auch noch im laufenden Prozess klären und dabei lernen, statt vorher alle Szenarien durchzuspielen. Denn das führt sonst eher dazu, dass man viele Projekte erst gar nicht angeht, weil die Anfangseuphorie, die so wahnsinnig motivierend sein kann, schon vor dem Start wieder weg ist! 

Ein Autofahrer, der unterwegs in eine andere Stadt ist, macht sich vorher auch keine Gedanken um mögliche Staus, Reifenpannen und Baustellen. Denn dann würde er wohl gar nicht erst losfahren…

 

Also, take action!

Nina, www.co-monkey.de


 

Nina

studiert, schreibt und arbeitet an neuen Ideen in Berlin. Mit ihren Texten möchte sie unkonventionelle Wege und Alternativen zeigen, um mehr Zufriedenheit in den privaten und beruflichen Alltag all jener zu bringen, die Lust auf Veränderungen haben.

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2 Antworten

  1. Stant sagt:

    altes Thema, und obwohl man weiß, woran es liegt, braucht man manchmal doch wieder so einen Artikel 😉 Danke dafür

    • Nina sagt:

      Hi Stand,
      danke für deinen Kommentar! Du hast absolut recht. Manches muss man sich immer wieder vor Augen führen bis es irgendwann von alleine läuft 🙂

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